Deutscher Gewerkschaftsbund

14.04.2014
Vielfältige Veranstaltungen in allen Kreisen

1.Mai 2014 in Ostbrandenburg

Gute Arbeit. Soziales Europa

 

Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Ostbrandenburg zum Tag der Arbeit

 

Am 1. Mai begehen wir den Tag der Arbeit in Ostbrandenburg für die Würde und Rechte der arbeitenden Menschen.

2014 ist das Jahr wichtiger Weichenstellungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Nach Jahren der Deregulierung machen sich Politik und Gesellschaft endlich auf den Weg zu einer Neuen Ordnung der Arbeit. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro wird die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Millionen von Menschen verbessern. Das gilt auch für die Stärkung der Tarifautonomie. Aber: Ausnahmen darf es beim Mindestlohn nicht geben, er muss für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gelten, ungeachtet ihres Alters, ihrer Ausbildung oder der Dauer von Arbeitslosigkeit.

2014 ist das Jahr der Betriebsratswahlen. Die Demokratie darf auch in den Kreisen Uckermark, Barnim, Märkisch-Oderland, Oder-Spree und Frankfurt (Oder) nicht vor den Werkstoren und Bürotürmen Halt machen, die Beschäftigten wollen mitreden und mitbestimmen, wenn es um ihre Belange geht. Deshalb brauchen wir mehr Mitbestimmung, mehr Rechte für die Betriebs- und Personalräte, auch beim Einsatz von Leiharbeit und Werkverträgen.

2014 ist das Jahr der Europawahlen: Besonders auch in Ostbrandenburg rufen wir alle Kolleginnen und Kollegen auf, wählen zu gehen. Nur wenn wir wählen gehen, können wir das Europäische Parlament und die Demokratie in Europa stärken. Europas Krise ist längst nicht ausgestanden. Niedrige Wachstumsraten, hohe Arbeitslosigkeit, vor allem unter jungen Menschen, und zunehmende Armut – die Folgen der rigorosen Sparpolitik sind verheerend.

 

Der 1.Mai wird gut besucht

Tausende Besucher werden regionsweit zu den 1.Mai-Veranstaltungen der Gewerkschaften erwartet DGB Ostbrandenburg

Diese Politik muss ebenso gestoppt werden wie der Abbau von sozialen Errungenschaften und Arbeitnehmerrechten. Dies gilt für beide Seiten der Oder! Nur durch Verständigung und die Solidarität der deutschen und polnischen ArbeitnehmerInnen lassen sich soziale Standards durchsetzen. Europa braucht eine Investitionsoffensive. Nur so können die europäischen Volkswirtschaften innovativer werden und qualitativ hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Denn es geht darum, den Menschen eine Lebens- und Arbeitsperspektive und Millionen Europäern Zuversicht zu geben. Wir wollen für die Menschen in der Region und Europa gute Arbeit, ein sicheres Auskommen und ein Leben in Würde!

 

Wir wollen:

 

  • einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro – Würde kennt keine Ausnahmen
  • eine Rente, die zum Leben reicht und die Lebensleistung würdigt
  • Investitionen in Bildung und Ausbildung
  • Mitbestimmungsrechte beim Einsatz von Leiharbeitnehmern und der Vergabe von Werkverträgen
  • eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben
  • Schluss ist mit der Diskriminierung von Frauen – auch in der Bezahlung
  • ein Investitionsprogramm für ein sozial gerechtes Europa und die Modernisierung der Wirtschaft
  • die bessere Finanzierung eines handlungsfähigen Staates durch die großen Vermögen

 

Unsere Geschichte verpflichtet uns – 100 Jahre nach Ausbruch des 1. Weltkriegs und 75 Jahre nach Beginn des 2. Weltkriegs – zum Handeln gegen Krieg und Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus. Der 1. Mai ist unser Tag der Solidarität und kein Ort für Nazis.

 


 

Rednerinnen und Redner am 1. Mai in Ostbrandenburg
 

Prenzlau: Marianne Wendt (DGB Uckermark), Uwe Schmidt (SPD Prenzlau)
Schwedt/Oder: Marianne Wendt (DGB Uckermark), Mike Bischoff (SPD, MdL), Frank Bretsch (SPD)
Eberswalde: Ralf Kaiser (DGB Barnim), Reiner Bieck (EVG)
Bernau bei Berlin: Janine Balder (ver.di Uckermark-Barnim)
Strausberg: Roland Tremper (ver.di Berlin-Brandenburg), Kerstin Kaiser (Die Linke, MdL)
Frankfurt (Oder): Marcel Schulze (DGB Frankfurt (Oder)), Christine Schill (NGG Berlin-Brandenburg)
Beeskow: Frank Techen (DGB Region Ostbrandenburg), Ingrid Freninez (DGB Oder-Spree)

 

Alle Veranstaltungen (Plakate) des DGB in Ostbrandenburg zum Download:

 

 

 



„Acht Stunden Arbeit, Erholung, Schlaf hält Leib und Seele gesund und brav“.

Inschrift einer Mai-Postkarte aus dem Jahre 1894

 

Der 1. Mai: Vom Kampftag zum Familienfest


Während bei seiner Ausrufung 1890 der Maifeiertag noch im Zeichen des Kampfs um den 8-Stunden-Tag stand, haben inzwischen andere Probleme der Arbeitswelt diese Forderung abgelöst: Angst vor Armut im Rentenalter, vor Arbeitshetze und vor prekärer Beschäftigung, die nur ein Leben am Randes des Existenzminimums sichert. Die Wurzeln des Maifeiertags liegen in den USA: Denn traditionell wurden an diesem Tage neue Arbeitsbedingungen verhandelt. Für die deutschen Gewerkschaften stellte das Jahr 1918 einen Wendepunkt dar. Denn von nun an wurden ausgehandelte Tarifverträge von den Arbeitgeberverbänden anerkannt. Damit vollzog die Großindustrie eine radikale Wende ihrer bisherigen anti-gewerkschaftlichen Politik. 1920 wurden mit dem Betriebsrätegesetz erstmals Arbeitnehmervertretungen in den Betrieben zugelassen.

Ausgerechnet die Nazis erklärten den 1. Mai 1933 zum „Feiertag der Nationalen Arbeit“. Um am 2. Mai die Gewerkschaftshäuser zu stürmen, zahlreiche Funktionäre in KZ zu verschleppen, zu terrorisieren und zu ermorden. Schließlich wurden die Gewerkschaften als wichtiger Teil der oppositionellen Kräfte systematisch zerschlagen. Nach dem Ende des deutschen Faschismus waren es die alliierten Siegermächte, die 1946 die ersten Maifeiern wieder erlaubten. Allerdings ohne Fahnen und Spruchbänder! Die DDR hat 1949 in ihrer Verfassung den 1. Mai als Feiertag festgeschrieben. Am 1. Mai 1955 verkündete der DGB sein erstes Aktionsprogramm mit Forderungen nach kürzerer Arbeitszeit, höheren Löhnen und gesicherter Mitbestimmung. Berühmt wurde das Maiplakat des DGB von 1956 mit der Forderung „Samstags gehört Vati mir!“. Guckt man auf die zunehmende Wochenend- und Schichtarbeit, könnte das Motto wieder aktuell werden. Natürlich ergänzt durch den Begriff Mutti…

In den 60er Jahren machten die Gewerkschaften gegen die Notstandsgesetze mobil, die u.a. den Einsatz der Bundeswehr auch im Inneren ermöglichen sollten („Grundrechte sichern“) und setzten sich für Vollbeschäftigung ein (1982). Im Jahr der deutschen Einheit feierten die Gewerkschaften 100 Jahre 1. Mai unter dem Motto „Solidarität sichert unsere Zukunft“. Die Würde des Menschen in der Arbeitswelt zu achten und ihn nicht nur zum Kostenfaktor zu degradieren, spiegelt sich im Slogan von 2006 wider: “Deine Würde ist unser Maß.“ Was dann den Kabarettisten Dieter Hildebrandt zu dem Einwurf verleitete, der Begriff Würde käme heute in der Gesellschaft „nur noch im Konjunktiv vor.“ In diesem Jahr feiern die acht DGB-Gewerkschaften den 1. Mai unter der Losung: „Gute Arbeit. Soziales Europa“. Damit soll im Hinblick auf die Europawahlen Ende Mai unterstrichen werden, dass sich die Gewerkschaften für ein soziales und arbeitnehmerfreundliches Europa engagieren und die EU nicht nur als Wirtschaftraum sehen, dessen Verwertungsbedingungen verbessert werden sollen. Da der 1. Mai auf einen Donnerstag fällt, könnte dies etliche verleiten, ein verlängertes Wochenende einzuplanen. Die anderen werden sich auf ein Familienfest am 1. Mai freuen oder womöglich auch daran denken, dass wir ohne die Kämpfe unserer Väter und Mütter soziale Sicherheit noch klein schreiben müssten.

 

Dieter Pienkny, DGB Berlin-Brandenburg


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1.Mai 2014 in OSTBRANDENBURG