Deutscher Gewerkschaftsbund

12.05.2017
DGB-Rentenkampagne

Besuch von Annelie Buntenbach bei der Eberswalder Wurst GmbH

auf rentenpolitischer Tour

Bundesvorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Annelie Buntenbach besuchte am 10. Mai die Eberswalder Wurst GmbH (EWG) in Britz bei Eberswalde und führte Gespräche mit dem Vorsitzenden des Betriebsrats und seiner Stellvertreterin, Gewerkschaftern und der Geschäftsleitung der EWG.

Anlass ihres Besuches war die rentenpolitische Tour des DGB im Rahmen der aktuellen DGB-Rentenkampagne http://rente-muss-reichen.de mit dem einzigen Brandenburg-Termin in Britz/Ostbrandenburg. 

 

Transporter EWG auf Werksgelände

©DGB Ostbrandenburg

auf rentenpolitscher Tour in Britz bei der Eberswalder Wurst GmbH

©DGB Ostbrandenburg

DGB auf rentenpolitscher Tour in Britz bei der Eberswalder Wurst GmbH

im Gespräch mit NGG und Betriebsrat ©DGB Ostbrandenburg

Die drohende Zunahme von Altersarmut gerade in Ostbrandenburg ist unter anderem  auf das geringe Lohnniveau in der Region zurückzuführen. Allein in Brandenburg ist die Anzahl derer, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind seit 2010 bis 2015 um 40 % gestiegen.

Dementsprechend wurde die Frage behandelt, wie Altersarmut entgegengewirkt werden kann – eine Rolle spielen hier gute Löhne und eine betriebliche Altersvorsorge – und wie die Situation in der Fleischproduktion- und Verarbeitung aussieht. In der Branche hatte es in jüngster Zeit mehrere Insolvenzen gegeben. Die Betriebsratsvertreterinnen und der Geschäftsführer der Gewerkschaft für Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) schilderten die zunehmenden Schwierigkeiten, sich im Kampf auf dem Markt zu behaupten. Der Einzelhandel sei nicht bereit, die gestiegenen Kosten in der Produktion zu übernehmen und drückt damit die Preise immer weiter in den Keller. Annelie Buntenbach hatte dafür die passende Antwort: „Gegen diese „Schmutzkonkurrenz“ brauchen wir klare Regeln für Tarifverträge und eine vernünftige Tarifbindung in der Fleischindustrie! Der Einzelhandel muss ordentliche Preise für Wurst und das Fleisch zahlen, dass bei den Verbrauchern auf den Tisch kommt.“.

 

im Gespräch mit Betriebsrat, DGB Regionsgeschäftsführer und Geschäftsführer EWG

Im Gespräch: v.l.n.r.: DGB Regionsgeschäftsführer Ostbrandenburg, Sebastian Walter, Bundesvorstandsmitglied Annelie Buntenbach, Geschäftsführer EWG Sebastian Kühn, Betriebsratsvorsitzender EWG, Eberhard Hoppe ©DGB Ostbrandenburg

Schon heute sei absehbar, dass alle der vor weniger als zwanzig Jahren Beschäftigten bei der Eberswalder Wurst GmbH keine altersauskömmliche Rente erhalten werden und viele später Grundsicherung erhalten müssen, konstatierte Uwe Ledwig von der NGG. Das Gehalt reiche auch nicht, um etwas fürs Alter anzusparen. Lohnsteigerungen um bis zu 10% seien nötig, um nach einem 45jährigen Arbeitsleben Rente über der Grundsicherung zu beziehen. Für viele Beschäftigte in dieser Branche ist es jedoch unmöglich, die vollen Beitragsjahre zu erreichen -  aufgrund extremer Belastungen am Arbeitsplatz durch unvermeidbare Kälte, Nässe und Zugluft scheiden die meisten vor Erreichen des Renteneintrittsalters aus.

auf dem Werksgelände

auf dem Werksgelände der EWG ©DGB Ostbrandenburg

Ausgehend von diesem Exempel und anhand von Zahlen machte DGB-Regionsgeschäftsführer Sebastian Walter deutlich, was die arbeitsmarkt- und rentenpolitischen Themen und Aufgaben ganz besonders in der Region Ostbrandenburg sind: „Gerade im Osten Brandenburgs geht es nicht nur um den drohenden sozialen Abstieg in der Rente, sondern auch um Altersarmut. Niedrige Renten sind nicht vom Himmel gefallen! Bei einer Tarifbindung von unter 25 Prozent führt die Lohnspirale auch in Zukunft immer weiter nach unten und direkt in die Grundsicherung im Alter. Ein Leben auf Hartz4-Niveau kann und darf nicht die Zukunft ganzer Generationen sein“ erklärte er.

Knapp 40 Prozent atypische Beschäftigung in Form von Leiharbeit, Midi-Jobs, Teilzeit und Mini-Jobs im Land Brandenburg seien ein hohes Risiko für die soziale Absicherung im Alter, führte er weiter aus. Auch die Landespolitik muss nach Auffassung des DGB darum die Rahmenbedingungen für Gute Arbeit schaffen.

Prekäre Beschäftigung, Leiharbeit und Werkverträge müssten zurückgedrängt werden, der Vergabemindestlohn angehoben und der allgemeine Mindestlohn besser kontrolliert werden. In Brandenburg erhalten Neurentner durchschnittlich 895 Euro. Besorgniserregend sind die Niedrigrenten: in Brandenburg muss jede fünfte Frau (21 Prozent) mit einer solchen Niedrigrente auskommen. Auch bei Männern in Brandenburg trifft dies immerhin 15 Prozent.

 


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