Deutscher Gewerkschaftsbund

18.01.2018
Eberswalde

Eure Forderungen sind maßvoll!

IG Metall Ostbrandenburg rief zum Warnstreik auf

Warnstreik Kranbau

©DGB Ostbrandenburg

Zwei Tage vor der dritten Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie in Berlin-Brandenburg hatte die IG Metall Ostbrandenburg zu einem Warnstreik aufgerufen. Nahezu 100 Beschäftigte - und damit jeder Zweite der Eberswalder Betriebe TK Rothe Erde und Kocks Ardelt Kranbau - beteiligten sich an der einstündigen Aktion vor den Werktoren bei ungemütlichen Temperaturen und Schneeregen. Unterstützt wurden sie von Gewerkschaftern der IG Metall und des DGB Ostbrandenburg.

 

Warnstreik Kranbau Eberswalde

©DGB Ostbrandenburg

Auch die vorherigen zwei Tarifrunden waren nicht gemütlich“, sagte Peter Ernsdorf, erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg, die etwa 7400 Mitglieder zählt, vor Ort - und meinte damit nicht nur das Wetter. 

Bei den Tarifverhandlungen geht es um folgende Forderungen: eine Lohnerhöhung von sechs Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr, die Möglichkeit zur Arbeitszeitverkürzung für bis zu zwei Jahre mit anschließendem Rückkehrrecht in Vollzeit, sowie eine Vereinbarung für die Angleichung der Arbeitszeiten in Ost und West. Bisher gab es keine befriedigenden Ergebnisse nach den Verhandlungen mit den Arbeitgebern, so Peter Ernsdorf. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, wären sie heute hier im Warnstreik. Diese seien "wirtschaftlich sinnvoll, bezahlbar und die richtigen Antworten auf eine moderne Arbeitswelt“, so Ernsdorf.

„Die Wirtschaft brummt, die Auftragsbücher sind voll und die Prognosen für 2018 gut. Was also hält die Unternehmer davon ab, für attraktive und moderne Arbeitsbedingungen zu sorgen?“ Es sei angesichts der hervorragenden wirtschaftlichen Situation und der großen Unternehmensgewinne in der Branche nur fair, diejenigen, die tagtäglich die Gewinne erwirtschaften, auch fair daran zu beteiligen, erklärte er.

 

Warnstreik beim Kranbau Eberswalde wird unterstützt vom DGB Ostbrandenburg

©DGB Ostbrandenburg

In die gleiche Kerbe schlug Sebastian Walter, Geschäftsführer der DGB Region Ostbrandenburg: „Die Forderungen der IG Metall sind maßvoll. Der Wirtschaft geht es so gut wie nie. Ein erfolgreicher Tarifabschluss wäre deswegen auch ein wichtiges Signal für die anderen Branchen“ sagte er den anwesenden Beschäftigten und lobte sie nachdrücklich für ihr Engagement und ihren Einsatz: "In vielen Branchen werden in diesem Jahr für mehr als zehn Millionen Beschäftigte Tarifverhandlungen geführt. Überall werden sechs Prozent mehr Geld gefordert. Ihr seid Vorreiter für das gesamte Land."   

Im DGB Bereich der Region Ostbrandenburg, in der etwa  50 000 Mitglieder leben, sind nur circa ein Viertel der Betriebe bisher tarifgebunden und auch insgesamt ist die Tarifbindung im Osten deutlich niedriger als im Westen - dies bleibt ein weiteres Dauerthema für die Gewerkschaften in der Region, denn „gerade die Tarifbindung steigert die Attraktivität einer Region und verhindert den Wegzug von Menschen“,erläutert IG Metall-Bevollmächtigter Ernsdorf die Dringlichkeit. "Deshalb müssen wir ganz dringend an dieser Schraube drehen.“ 

Ein weiteres Thema des Warnstreiks sind die ungleichen Arbeitszeiten in der Branche in Ost und West: „Warum müssen Ost-Metaller pro Jahr einen Monat länger arbeiten?“, hieß es auf Transparenten. Während Ost-Metaller nämlich eine 38-Stunden-Woche haben, arbeiten ihre West-Kollegen und Kolleginnen nur 35 Stunden, für das gleiche Geld. Eine baldige Angleichung der Arbeitszeiten ist dementsprechend eine weitere zentrale Forderung bei den Tarifrunden. 

Der Betriebsratsvorsitzende bei TK Rothe, Olaf Bölter, erklärte, dass es den meisten Beschäftigten noch vor einer Lohnerhöhung vor allem um die Flexibilität bei der Arbeitszeit zur besseren Vereinbarung mit der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen geht und die IG Metall ihre Forderung nach einer dementsprechenden Wahlfreiheit durchsetzen kann. 

Am Freitag anlässlich der Tarifverhandlungen in Berlin ist Gelegenheit für den Arbeitgeber, die Forderungen der Warnstreikenden aufzugreifen und zu überdenken. Wir fordern sie auf, dies auch zu tun!

 

Warnstreik Kranbau Eberswalde

©DGB Ostbrandenburg

Warnstreik Kranbau Eberswalde

©DGB Ostbrandenburg


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