Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 001/2017 - 18.01.2017

Arm trotz Arbeit - jeder dritte Aufstocker hat nur Minijob

DGB zu den aktuellen Arbeitsmarktzahlen der Region Ostbrandenburg

Trotz Arbeit sind in der Region Ostbrandenburg – das sind die Landkreise Märkisch Oderland, Ober-Spree, Barnim, Uckermark und die Stadt Frankfurt (Oder) ­– über 16.500 Menschen auf Hartz IV angewiesen: 16.527 Aufstocker sind es derzeit; eine große Zahl von ihnen ist ausschließlich geringfügig beschäftigt. So haben 4944 Beschäftigte nur einen Minijob, also knapp ein Drittel aller Aufstockenden in Ostbrandenburg.

„Es ist untragbar, dass so viele Menschen in unserer Region von ihrer Arbeit nicht leben können.“ erklärt Sebastian Walter, DGB-Regionsgeschäftsführer in Ostbrandenburg. Er hält die Minijobs für ein besonderes Problem: „Sie sind keine Brücke in reguläre Beschäftigung, sondern ein Armutsrisiko.“ Besonders für Frauen nach der Familienphase, die den Wiedereinstieg in sozialversicherte Arbeit suchten, würden Minijobs zur Sackgasse. Minijobs böten keine Perspektive auf Qualifizierung und Aufstieg im Beruf. Hinzu komme, dass keine oder nur eingeschränkte Ansprüche für die gesetzliche Sozialversicherung erworben werden und dies oft über viele Jahre. Oftmals klebe das Etikett „Minijob gleich Aushilfe“ an den geringfügig Beschäftigten.

„Es ist deshalb dringend notwendig, dass die Jobcenter in der Region Ostbrandenburg sich mehr für die Beschäftigten im Leistungsbezug engagieren.“ fordert Walter: „Wer sich in einer beruflichen Einbahnstraße befindet, braucht nicht Druck und Sanktionen, sondern vielmehr Unterstützung.“ Dazu seien mehr Angebote der aktiven Arbeitsmarktpolitik nötig, insbesondere Angebote einer beruflichen Qualifizierung müssten weiter voran gebracht werden.
„Wissenschaftliche Studien bestätigen regelmäßig, dass viele Menschen in Minijobs gerne mehr arbeiten würden.“ Für DGB-Regionsgeschäftsführer Sebastian Walter ist deshalb klar: „Unser Ziel ist es, dass mehr Minijobs in sozialversicherte Arbeit umgewandelt werden. Der DGB hat dazu einige Vorschläge gemacht!“

Aber auch Land und Kommune sieht er in der Verantwortung: „Weit über die Hälfte der geringfügig Beschäftigten bundesweit, die aufstocken müssen, sind Frauen. Viele von ihnen leisten Familien- und Pflegearbeit, so dass sie nur eine begrenzte Anzahl von Stunden arbeiten können. Deshalb müssen wir die Infrastruktur so ausbauen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter zu meistern ist.“

Zwar ist bundesweit die Zahl der Aufstockenden in den letzten zwölf Monaten geringfügig um rund 50.000 gesunken ­– sie ist aber mit fast 1,2 Millionen Betroffenen immer noch sehr hoch. Zu Jahresbeginn 2015 wurden 100.000 Minijobs in sozialversicherte Beschäftigung umgewandelt. „Das geht auf das Konto des Mindestlohns!“, erläutert Walter. „Der Mindestlohn wirkt, allen Unkenrufen zum Trotz. Aber auch unsere Jobcenter sind in der Pflicht, sich mehr um die Aufstockenden zu kümmern. Arbeit muss vor Armut schützen und da gibt es noch einiges zu tun.“

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DGB Ostbrandenburg/Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Dezember 2016


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